Treffelhausen

Im Jahr 2016 begeht die Original Schwäbische Trachtenkapelle Treffelhausen e.V. ihr 50jähriges Jubiläum und kann auf ihre seit 1966 chronologisch festgehaltene Geschichte zurückblicken. Unser Heimatort jedoch, der wohl schon im 7. und 8. Jahrhundert bestand, wurde zum ersten Mal im Jahre 1275 unter dem Namen „Husen“ im Zehntbuch der Diözese Konstanz erwähnt. Da es in unserer Region mehrere „Husen“ (Aufhausen, Waldhausen, Hausen i.T.) gab und man diese voneinander unterscheiden musste, wurde der Name unseres Heimatorts seiner Lage am Albtrauf entsprechend durch das mittelhochdeutsche Wort für Trauf „troufe/trûf“ ergänzt und der Ort seit 1360 auch „Trofelhausen“, „Tröffelhausen“, und „Traifelhausen“ genannt. 1391 fiel das ursprünglich helfensteinische Treffelhausen an die Ritter (ab 1577 Freiherren und seit 1607 Grafen) von Rechberg und Rothenlöwen, an welche in unserem Wappen immer noch die zwei roten Löwen erinnern. Für die Schilderung der insgesamt 414 Jahre unter der rechbergischen Herrschaft gibt es nur wenige Quellen, die Einblicke in die Situation Treffelhausens und seiner Bevölkerung in den Zeiten des Bauernkrieges (1524/25), des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648), den Napoleonischen Kriegen (1792-1815) sowie der Pest und Missernten geben.

Das Ende der rechbergischen Herrschaft in Treffelhausen ist mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation verbunden. Durch die Koalitionskriege mit Frankreich kam es zu Friedensschlüssen, in denen die deutschen Landesherren auf linksrheinische Gebiete verzichten mussten und innerhalb des Reiches entschädigt wurden. Diese Entschädigungen fanden wie unter anderem im Reichsdeputationshauptschluss von 1803 festgelegt zum einen durch Säkularisation, des staatlichen Einzugs des Kirchenbesitzes und geistlicher Territorien, und zum anderen durch die Mediatisierung kleinerer Territorien. In Bezug auf die Herrschaft Rechberg kam es zum Konflikt zwischen den im Jahre 1806 zum Königtum erhobenen Königreich Württemberg und Königreich Bayern. Die endgültige Lösung des Konfliktes wurde in einem Vertrag am 18.05.1810 gefunden, der die noch heute gültige Grenze zwischen den Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern beinhaltete und mit der darauf folgenden Verpflichtung der Schultheißen und Pfarrer auf die württembergische Landesherren am 12.11.1810 in Donzdorf dazu führte, dass Treffelhausen, nachdem es von 1806 bis 1810 ein „königlich-bayerisches Pfarrdorf“ gewesen war, künftig württembergisch sein sollte.

In den darauf folgenden Jahren blieb Treffelhausen zwar von den politischen Konflikten verschont, jedoch ereignete sich am 14. Juli 1859, am 70sten Jahrestag der Französischen Revolution, der große Dorfbrand. Etwa um 19.00 Uhr brach in einem Haus in der Weißensteiner Straße durch Unvorsichtigkeit beim Kochen ein sich schnell über das ganze Dorf verbreitender Brand aus, von dem lediglich das 1528 erbaute Pfarrhaus, das Gasthaus zur „Sonne“, das mit Jauche und Bier gelöscht worden sei, und die aus dem Jahre 1626 stammende Veitsglocke verschont blieben. Der Wiederaufbau ging zum Großteil anscheinend sehr zügig, da bereits am 25.07.1860 beschlossen wurde, die Bauhütte der Bauleitung abzubrechen. Lediglich der Bau der neogotischen Kirche, deren Plan vom Wiener Dombaumeister und Architekten des Wiener Rathauses Friedrich von Schmidt stammt, begann erst im Jahre 1865. Die Weihe der Kirche, in der bereits wieder seit November 1866 Gottesdienste abgehalten worden sind, fand 1871 statt und stellt den Abschluss des Wiederaufbaus Treffelhausens dar. Trotz der Tatsache, dass die Brandkatastrophe und der Wiederaufbau die Bewohner Treffelhausens finanziell strapazierte, kam es in unserem Heimatort zu einer Epoche der Aufwärtsbewegung, die neben der verkehrstechnischen Erschließung unseres Gebietes durch die Eröffnung der Weißensteiner Steige am 3. Oktober 1842 die Errichtung eines eigenen Wasserversorgungssystems (Bau: 1884-1885) und die Versorgung unseres Dorfes mit elektrischem Strom seit 1912 aufweist. Aus dieser Zeit stammen auch die Impulse, die unser kulturelles Leben im Wort bis heute bereichern und gestalten. Neben der Gründung des Schützenvereines (1889), wurden 1904 der Radsportverein und 1913 der Turnverein ins Leben gerufen. Aus dem Radsportverein hat sich 1966 die heute ihr 50jähriges Bestehen feiernde Original Schwäbische Trachtenkapelle Treffelhausen e.V. herausentwickelt. Der erste (1914-1918) und zweite (1939-45) Weltkrieg sind als schwergewichtige Einschnitte in diese Auswärtsentwicklung zu sehen und brachten großes Leid über die Bevölkerung, da sie nicht nur große Opfer abverlangten, sondern geliebte Menschen aus der Mitte unseres Heimatortes rissen.

Die Nachkriegszeit brachte durch die Vertreibung aller Deutschstämmigen aus dem Sowjetischen Herrschaftsbereich (ca. 200) vor allem aus Nord- und Südmähren kommende Heimatvertriebene nach Treffelhausen und bedeutete für unseren Ort vor allem eines: ein Neuanfang in vielen Lebensbereichen. Treffelhausen wurde kanalisiert, seine Straßen ausgebaut, eine Flurbereinigung vorgenommen und die Restauration der St. Vitus-Kirche 1974 abgeschlossen. In der vergangen Jahrzehnten stieg der Wohnraum durch Erschließung der neuen Wohngebiete Burren, Taläckerstraße; Ringstraße, Querstraße, Fliederweg, Rosenstraße, Hofackerstraße, Im Langenlauch, Im Dorfpark und Im Hofgarten. Darüber hinaus erhielt die Ortsmitte durch den Bau des Kreisverkehrs und dem Festplatz an der Böhmenkircher Straße ein neues Gesicht. In der jüngsten Vergangenheit ist die Geschichte unseres Ortes vor allem durch den Austausch geprägt, der sich bereits 1973 in der Eingliederung Treffelhausens in die benachbarte Gemeinde Böhmenkirchs im Zuge der Gemeindeverwaltungsreform zeigt. Der Austausch findet sich sowohl zwischen den ortsinternen Vereinen am Beispiels des Konzerts in der Kirche, das von der Sängerriege des Turnvereins Treffelhausen und der Original Schwäbischen Trachtenkapelle Treffelhausen e.V. in den Jahren 2008, 2011 und 2014 veranstaltet wurde, sowie am jährlich stattfindenden Herbstkonzert der drei Musikvereine unserer Gemeinde.